Schön, dass uns die Arbeit ausgeht

Mittwoch, 16. Januar 2019, 19.30 Uhr, Buchhandlung Volkert
92237 Sulzbach-Rosenberg, Neustadt 6

Ein Plädoyer für massive Arbeitszeitverkürzung – Veranstaltung mit Lothar Galow-Bergemann

Wenn ältere Leute davon erzählen, dass es einmal so etwas wie Vollbeschäftigung gab und die Aussicht, sich durch Arbeit lebenslang seinen Unterhalt zu sichern, so klingt das wie aus einer fernen, längst vergangenen Zeit. Opas Welt kehrt in der Tat nicht wieder. Seit langem schmelzen sichere Arbeitsplätze wie Schnee an der Sonne und in den kommenden 20 Jahren wird jeder zweite Job in Europa und den USA verschwinden, weil künstliche Intelligenz und Roboter das viel besser und billiger können. Aber warum macht uns das eigentlich Angst? Es wäre doch Freude angesagt. Schließlich träumen Menschen seit Jahrtausenden davon, ihr Leben mit Angenehmerem verbringen zu können als ausgerechnet mit Arbeit. Doch nur den wenigsten war es vergönnt, dem Zwang zu lebenslanger Schufterei zu entfliehen. Das Schöne ist, dass das heute alle könnten. Denn Technologie und Wissenschaft ermöglichen uns, mit immer weniger Arbeit immer mehr Reichtum zu schaffen. Doch ausgerechnet jetzt sollen wir immer länger arbeiten. Gehören wir zu den nicht mehr ganz Jungen, bekommen wir – vielleicht – einmal mit 67 oder 70 eine Rente, die immer weniger ausreichen wird. Gehören wir zu den ganz Jungen, so ahnen wir, dass wir nie eine sehen werden.

Der einzige Grund, warum wir Angst haben müssen vor dem Verschwinden der Arbeit: Die Wirtschaft, von der wir abhängen, ist verrückt organisiert. Massive Arbeitszeitverkürzung für alle ist das Gebot der Stunde. Nach Jahrzehnten weitgehenden Stillstands kommt erfreulicherweise wieder etwas Bewegung in die gewerkschaftliche Arbeitszeitdebatte. Doch selbst die 30-Stundenwoche wäre keine adäquate Antwort auf die Herausforderungen. In scharfem Gegensatz zum herrschenden Diskurs muss der Kampf um Arbeitszeitverkürzung in völlig neuer Dimension gedacht und in eine breite gesellschaftliche Bewegung transformiert werden. Voraussetzung dafür ist jedoch der Ausbruch aus einem Gedankengefängnis: Das Hamsterrad des „Arbeiten-gehen-müssen-um-Geld-zu-verdienen-weil-wir-sonst-nicht-leben-können“ garantiert uns keine gute Zukunft.


Lothar Galow-Bergemann war freigestellter Personalrat in zwei Großkliniken, heute schreibt er u.a. für Konkret, Jungle World und auf www.emafrie.de.

Die Veranstaltung wird unterstützt vom ver.di OV Medien und der ver.di Jugend Oberpfalz

Revolution und Weiblichkeit um 1918: Das Private wird politisch

Dienstag, 27. November 2018, 19.30 Uhr, Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg
92237 Sulzbach-Rosenberg, Rosenberger Str. 9

Vortrag von Dr. Kathrin Schödel

Der Zusammenhang zwischen Revolution und Weiblichkeit ist kein nebensächlicher, sondern er betrifft ein zentrales Moment revolutionärer Veränderung: die Frage nach der Aufteilung der sozialen Welt, nach der  Abgrenzung zwischen Öffentlichem und Privatem, zwischen Ökonomie und Politik wie auch zwischen Produktion und Reproduktion (Haus- und Familienarbeit).

Der Vortrag will verschiedene Ansätze revolutionärer Politik um 1918 mit Blick auf die Verbindung zwischen politischer und sozialer Revolution und Geschlechterverhältnissen diskutieren und nach Anknüpfungsmöglichkeiten für heutige linke Politik fragen.


Mitveranstalter: Kurt-Eisner-Verein/Rosa-Luxemburg-Stiftung
Bayern (https://by.rosalux.de)

Präkere Arbeitswelten – Lesung und Diskussion mit Stefan Dietl

Montag, 08. Oktober 2018, 19.30 Uhr, Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg
92237 Sulzbach-Rosenberg, Rosenberger Str. 9

Lesung und Diskussion mit Stefan Dietl

Leiharbeit, Werkverträge, Minijobs, Befristungen – fast 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland arbeiten inzwischen in diesen oder anderen prekären Arbeitsverhältnissen. Für die Betroffenen heißt das häufig niedrige Löhne, geringe soziale Absicherung und ständige Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Seit die Agenda 2010 die Grundlage für den anhaltenden Boom prekärer Beschäftigung legte, stieg jedoch nicht nur die Zahl der betroffenen Arbeitnehmer kontinuierlich an, es entstanden auch immer neue Formen der Prekarität. Gerade durch die technischen Neuerungen der Internetökonomie ergeben sich für Unternehmen neue Möglichkeiten des Lohndumpings und der Umgehung gesetzlicher und tariflicher Rahmenbedingungen.

In seinem Vortrag widmet sich Stefan Dietl daher insbesondere prekären Beschäftigungsformen im digitalen Zeitalter wie dem »crowdworking« oder der »Gig-Work«. Er nimmt jedoch auch anderen bisher wenig beachtete atypische Beschäftigungsverhältnisse wie der Arbeit auf Abruf oder der Ausbeutung von Wanderarbeiter*innen unter die Lupe und gibt einen Einblick in die aktuellsten Entwicklungen der bereits seit Längerem in Deutschland etablierten Formen prekärer Arbeit wie der Leiharbeit, Minijobs, Befristungen oder Praktika und beschreibt deren Ausweitung auf immer mehr Arbeitsbereiche.

Mit freundlicher Unterstützung der Gewerkschaft ver.di.

Die AfD und die soziale Frage. Zwischen Marktradikalismus und ‚völkischem Antikapitalismus‘

Freitag, 27. Oktober 2017, 19.30 Uhr, Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg
92237 Sulzbach-Rosenberg, Rosenberger Str. 9

Vortrag und Diskussion mit Stefan Dietl

Innerhalb von gerade einmal vier Jahren zog die Alternative für Deutschland (AfD) mit teils zweistelligen Ergebnissen in dreizehn Landesparlamente und nun auch in den deutschen Bundestag ein. Zu ihrem Programm gehört neben der Hetze gegen Migrant*innen und Geflüchtete, dem Kampf gegen die Rechte von Frauen und der Diskriminierung von Behinderten, Homosexuellen und Transgender, auch die Ausgrenzung von sozial Benachteiligten. Trotz ihrer neoliberalen Programmatik ist die Partei vor allem auch unter denjennigen erfolgreich die von marktradikalen Umbaumaßnahmen besonders betroffen sind.

Stefan Dietl wirft einen genaueren Blick darauf, welche Forderungen die AfD eigentlich vertritt und welche verheerenden Auswirkungen deren Umsetzung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hätte.

Stefan Dietl wurde 1985 im bayerischen Amberg geboren und lebt heute in Regensburg. Er publiziert regelmäßig zu sozial- und wirtschaftspolitischen Themen. Zuletzt erschien von ihm im Unrast Verlag das Buch „Die AfD und die soziale Frage – Zwischen Marktradikalismus und ‚völkischem Antikapitalismus‘.

Mit freundlicher Unterstützung der Gewerkschaft ver.di.

Filmpräsentation: Ken Loach, „Ich, Daniel Blake“ (2016)

Donnerstag, 11. Mai 2017, 19.30 Uhr, Capitol – Bild und Bühne
92237 Sulzbach-Rosenberg, Bayreuther Str. 4

Der 59-jährige Brite Daniel Blake (Dave Johns) aus Newscastle hat sein ganzes Leben als Schreiner gearbeitet und Steuern gezahlt. Doch eines Tages wird sein Leben von schweren Schicksalsschlägen erschüttert, als seine geliebte Frau stirbt und er einen schweren Herzinfarkt erleidet. Von nun an ist Daniel auf das Sozialsystem angewiesen, doch das hat einige ungerechte und bürokratische Fallstricke parat. Obwohl sein Arzt ihm vom Arbeiten abrät, wird er von den Sozialämtern als arbeitstauglich abgespeist und zu erniedrigenden Weiterbildungen und Bewerbungen auf nicht existente Jobs verdonnert. Daniel, der von den Ämtern oft wie eine seelenlose Nummer behandelt wird, muss allen Mut und Stolz zusammennehmen, bevor die Mühlen der Bürokratie seinen Willen brechen. Immerhin droht ihm, falls die Bezüge gestrichen werden, die Obdachlosigkeit. Dabei lernt er die alleinerziehende Mutter Katie (Hayley Squires) sowie ihre Kinder Daisy (Briana Shann) und Dylan (Dylan McKiernan) kennen, die ihre eigene Odyssee an Ungerechtigkeiten hinter sich haben und dringend eine Bleibe suchen. In der Not entwickelt sich zwischen ihnen eine ungewöhnliche Freundschaft, denn nur zusammen können sie stark sein und aus der bedrückenden Situation herauskommen.

Der inzwischen über 80-jährige Regisseur Ken Loach ist ein Meister der sensiblen Milieu-Studien und thematisiert seit 50 Jahren die Nöte und Hoffnungen der britischen Unterschicht. Obwohl in manchen seiner Filme wie “Kes” und “It’s A Free World” viel Drama mitschwingt, zeichnen sich seine Filme immer durch kleine Hoffnungsschimmer und eine große Prise englischen Humors aus. Sein neuestes Sozialdrama wurde 2016 auf dem renommierten Cannes Filmfestival mit dem Hauptpreis für den besten Film und dem Preis der Ökomenischen Jury ausgezeichnet

Der Film wird präsentiert von PUNK e.V. und dem Verdi-Ortsverein Sulzbach-Rosenberg.