Scheitern. Über die Depression, die Identität und den Zwang des Zurechtkommens.

17. Februar, 19.00 Uhr, JUZ Hängematte, Annabergweg 1, 92237 Sulzbach-Rosenberg

Veranstaltung mit Dr. Matthias Buchner

In den letzten Jahren hat sich in erstaunlicher Geschwindigkeit ein neuartiger Psycho-Boom etabliert. Was als Enttabuisierungsbewegung von Krisen und Krankheitszuständen begann ist längst zu einer neuen Form der Identitätsgenerierung geworden. Insbesondere in Sozialen Medien wird die dunkelste Depression oder das zappeligste Erwachsenen- ADHS zur Schau gestellt.

Doch worin liegt die Attraktivität dieser Form der Selbstdarstellung? Und vor allem: Worin liegt der wahre Kern des Leids? 
Mit dem Vortrag soll in keiner Weise in Frage gestellt werden, dass Menschen tatsächlich unter diversen psychischen und emotionalen Belastungszuständen leiden. Das man ständig überfordert ist, unter Druck steht, Angst hat oder scheitert ist in dieser Gesellschaft nämlich gar kein Wunder. 
Doch wie genau ist das Verhältnis von psychischer Krankheit und kapitalistischer Konkurrenzgesellschaft? Das soll Inhalt des Vortrag sein.

Eine tragende Ideologie ist dabei die Behauptung wonach „jeder seines Glückes Schmied“ sei. Eine Grundlüge dieser Gesellschaft. Denn für den Großteil der vermeintlichen „Glücksschmiede“ ist die gesellschaftliche Realität doch recht ernüchternd. Sie steht im Widerspruch zu dem, was sie sich für ihr Leben mal erhofft und erträumt hatten. Kein Studienplatz oder nur in einer Scheißstadt. Trotz Büffelei im Studium nur miserable Jobs. Arbeiten unter scheiß Bedingungen für scheiß wenig Geld. Viele haben nicht mal das und müssen sich von der ARGE drangsalieren lassen. Und so stellt sich für viele die Frage, woher das eigentlich kommt. Wenn die Welt doch voller Möglichkeiten ist, woran liegt es, dass ich nicht vom Fleck komme? Liegt es an mir? Bin ich unfähig? Zu blöd? Zu schwach? Zu wenig leistungsfähig? Statt die immer krasser werdenden Zumutungen zu kritisieren, wird das mangelnde Zurechtkommen als Krankheit definiert und so ins Unpolitische verschoben.

Dr. Matthias Buchner ist Sozialarbeiter und Erziehungswissenschaftler. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich sowohl in der beruflichen Praxis als auch in der akademischen Lehre mit psychischen Problemen und abweichenden Verhalten.

–Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.–

Pflegen wie am Fließband?

17. Oktober 2022, 19.00 Uhr, Capitol – Bild&Bühne, Bayreuther Str. 4, 92237 Sulzbach-Rosenberg

Vortrag und Diskussion mit Bettina Rödig

Der »Pflegenotstand« und die Missstände im Gesundheitssystem sind spätestens seit der Corona-Pandemie ins allgemeine Bewusstsein gerückt. Gerade die katastrophalen Folgen der umfassenden Ökonomisierung der Gesundheitsversorgung sind unübersehbar. – Wie kam es dazu?

Die Veranstaltung zeichnet nach, welche gravierenden Folgen das in Deutschland 2003 eingeführte System der Fallpauschalen (DRGs) hatte. Dieses richtet die Krankenhäuser rein nach wirtschaftlichen Kriterien aus und steht einer bedarfsgerechten Versorgung entgegen. Neben dem historischen Kontext der Ökonomisierung will die Veranstaltung auch weitere Gründe des Personalmangels in den Blick nehmen. Dabei spielen auch patriarchale Geschlechterverhältnisse in der Sorgearbeit eine herausragende Rolle.

Bettina Rödig arbeitet als Kinderkrankenpflegerin und Betriebsrätin. Sie ist aktive Gewerkschafterin und Mitglied im Landesvorstand von ver.di Bayern.

DIE VERANSTALTUNGSREIHE FINDET IN KOOPERATION MIT DEM KURT-EISNER-VEREIN FÜR POLITISCHE
BILDUNG IN BAYERN E.V., DER ROSA-LUXEMBURG-STIFTUNG UND DER PETRA-KELLY-STIFTUNG STATT.

–Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.–

Exkursion zur ehemaligen kommunistischen Höhlendruckerei in der Fränkischen Schweiz

24. September 2022, 13.30 Uhr, Treffpunkt TSV Königstein Sportplatz
92281 Königstein, Neuhauser Str. 40

Kurz bevor die Nationalsozialisten im Februar 1933 die KPD verbieten, schaffen Parteimitglieder eine Druckmaschine in die Nürnberger Gartenstadt, ein traditionelles Arbeiterviertel. Die Mechanik ist so laut, dass die Kommunisten nach kurzer Zeit aufhören. Zu groß ist die Gefahr, entdeckt zu werden.
Die KPD beauftragt den
Widerstandskämpfer Ludwig Göhring, die Widerstandsblätter von nun an unter Tage zu drucken. Eine Höhle in der fränkischen Schweiz wird so für kurze Zeit zur „Untergrund“-Druckerei. Dann holt der Terror der Nazis die jungen Leute ein. Mitten im fränkischen Kletterparadies Veldensteiner Forst liegt die Höhle, in der Ludwig Göhring im Auftrag der KPD bis August 1933 Flugblätter gedruckt hat.

Die Wanderung ist 9km lang und dauert ca. 3 Stunden.

Daniel Söhnlein ist Softwareentwickler und leidenschaftlicher Wanderer und Bergsteiger. 

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–Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.–

Gefühlte Wahrheit

Verschwörungsdenken, Antisemitismus und ihr affektiver Gehalt

21. Juli 2022, 19.00 Uhr

Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg e.V.
Literaturhaus Oberpfalz
Rosenberger Straße 9

92237 Sulzbach-Rosenberg

Vortrag und Diskussion mit Markus Weiß 

Vor allem dann, wenn das gesellschaftliche Leben durch Krisen, Katastrophen oder ähnliche einschneidende Ereignisse ins Wanken gerät, nimmt die Verbreitung von Verschwörungsfantasien und mit ihnen auch die Artikulation antisemitischer Ressentiments zu. Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie lässt sich dieses Phänomen bei »Querdenken«-Demonstrationen, in den Sozialen Medien oder in einschlägigen »Bewegungsmedien« seit Anbeginn nachverfolgen.
Der Vortrag beschäftigt sich daher im Kontext der Corona-Pandemie mit den Äußerungsformen sowie der Ursache und Funktion von Verschwörungsdenken, mit dessen Schnittstellen zum Antisemitismus und mit der Frage nach Emotionen und Affekten im verschwörungsideologischen und antisemitischen Denken.

Markus Weiß ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Berlin und hat Kultur-, Sprach- und Kognitionswissenschaften studiert.

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»1945 – Als die Amerikaner die Lager entdeckten«

27. Juni 2022, 19.00 Uhr, Capitol – Bild&Bühne, Bayreuther Str. 4, 92237 Sulzbach-Rosenberg

Buchvorstellung und Diskussion mit Alexander Carstiuc

Buchenwald, Dachau, Bergen-Belsen… Die Entdeckung der nationalsozialistischen Konzentrationslager durch die Alliierten im April und Mai 1945 erfolgte zufällig während des Vormarschs der Truppen. Die Befreiung der Häftlinge war kein erklärtes Kriegsziel und deshalb nicht geplant. In jedem Lager fanden die Alliierten die ausgezehrten Körper der Überlebenden und die von den Nazis hinterlassenen Leichenberge.
Zwei Kriegskorrespondenten gehörten zu den ersten, die die nationalsozialistischen Konzentrationslager betraten: Der US-amerikanische Schriftsteller und Journalist Meyer Levin und der französische Fotograf der Nachrichtenagentur AFP Éric Schwab. Beide folgten in einem Jeep der Vorhut der US-Armee und beide befanden sich auf der Suche: Der erste suchte das, was von der jüdischen Welt übrig geblieben war, der zweite suchte seine deportierte Mutter. Was sie vorfanden, zerstörte all ihre Hoffnungen, aber sie dokumentierten die ersten Momente der Entdeckung jenes Verbrechens, dessen Schockwellen die Welt erschüttert haben. Das Buch der französischen Holocaust-Forscherin Annette Wieviorka, das über die Suche von Meyer Levin und Éric Schwab berichtet, liegt in der Übersetzung von Alexander Carstiuc, Janina Reichmann und Jonas Empen nun erstmals in deutscher Sprache vor.

Alexander Carstiuc arbeitet als Historiker und Übersetzer in Berlin.

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