Geschlechterbilder in der extremen Rechten und die Rolle(n) von Frauen in der rechten Szene (Onlineveranstaltung)

Donnerstag, 18. Februar 2021, 19.00 Uhr, Onlineveranstaltung

Vortrag und Diskussion mit Stefanie Barth

Ungeachtet dessen, dass Frauen* tragende Rollen in der rechten Szene besetzen und Geschlechterkonstruktion in der rechten Ideologie einen zentralen Platz einnimmt, bleiben die Themen um Geschlechtlichkeit und die Rollen von Frauen* in der Analyse der extremen Rechten bis heute unterbelichtet. Rechtsextremismus wird häufig als männliches Phänomen wahrgenommen. In dem Vortrag der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus wird grundlegendes Wissen zu Geschlechterbilder in der extremen Rechten vermittelt und sich mit den Geschlechterverhältnisse sowie Weiblichkeitsvorstellungen in rechter Ideologie auseinandergesetzt. Vor diesem Hintergrund wird beispielhaft auf die Thematisierung und Inszenierungen von Geschlechtlichkeit und Rollen von Frauen* in der rechten Szene eingegangen.

Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern ist Ansprechpartnerin für alle, die sich gegen Rechtsextremismus und menschenfeindliche Ideologien einsetzen, oder mit rechten oder menschenfeindlichen Vorfällen konfrontiert sind. Gefördert wird sie vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ sowie vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.

Die Veranstaltung wird über Zoom stattfinden. Eine Anmedlung ist nicht erforderlich.

Meeting-ID: 83163999772
Weblink: https://us02web.zoom.us/j/83163999772

–Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.–

Terror und Transgression: Zum Verhältnis von Rechtsterrorismus und Meme-Culture (Onlineveranstaltung)

Mittwoch, 02. Dezember 2020, 19.00 Uhr, Onlineveranstaltung

Vortrag und Diskussion mit Vid Stevanovic

Während die Berichterstattung zur Corona-Pandemie derzeit die öffentlichen Debatten dominiert, hat sich Deutschland in den letzten Monaten endgültig zum international prominentesten Standort in Sachen Rechtsterrorismus entwickelt: Die Theorie kommt dem Terror nicht hinterher. Neben den vernetzt agierenden Zellen (Nordkreuz, Gruppe S. etc.), sind es vor allem die (vermeintlichen) Einzeltäter, die einen Anschluss an den globalen Rechtsterrorismus knüpfen. Die Attentäter teilen eine bestimmte ästhetische und mediale Praxis. Dem inszenierten Spektakel des Terrorakts ist die „Memetic Warfare“ vor- und nachgelagert: In Chatgruppen, Discord-Channels und auf Imageboards wird die Verbindung von Ideologie und Terrorakt hergestellt. Dabei zählen Praktiken wie Ironie und Tabubruch zu den dominantesten Strategien. Der Vortrag wird diesem Verhältnis nachgehen, um zu klären, wie diese Praktiken rechte Ideologie zu ihrer mörderischen Konsequenz bringen. Vid Stevanović arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an dem Graduiertenkolleg „Funktionen des Literarischen in Prozessen der Globalisierung“ an der LMU in München.

Die Veranstaltung wird auf der Platform „Zoom“ stattfinden. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.
Zoom-Meeting-Link:
https://us02web.zoom.us/j/88183292898Meeting-ID: 881 8329 2898

–Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.–

Antisemitismus 2.0 – Judenhass im Internet (Onlineveranstaltung)

Freitag, 13. November 2020, 19.00 Uhr, Onlineveranstaltung

Vortrag und Diskussion mit Markus Weiß

Antisemitismus als irrationales Weltdeutungssystem wird durch Sprache ständig reproduziert und tradiert. Im Vortrag wird der Frage nachgegangen, welche Manifestationsformen von Judenhass sich dabei erkennen lassen, wie uralte judeophobe Stereotype sich an aktuelle Ereignisse anpassen und welche besondere Rolle das Internet bei der Verbreitung von Antisemitismen hat.

Markus Weiß ist Sprachwissenschaftler. Er arbeitet an der Technischen Universität Berlin im DFG-Projekt: „Verbal-Antisemitismen im Internet: eine linguistische Korpusanalyse zu den Tradierungsformen aktueller Judenfeindschaft im www“

–Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.–

Zoom-Meeting beitreten via Browser: https://us02web.zoom.us/wc/join/89502995539Zugang über Zoom App: Meeting-ID = 895 0299 5539

Heimat – Eine Besichtigung des Grauens

Samstag, 07. Dezember 2019, 19.30 Uhr, Capitol _Bild & Bühne
92237 Sulzbach-Rosenberg, Bayreuther Str. 4

Mit ihr wird für Zahnpasta und Banken geworben, der Trachtenhandel erzielt Umsatzrekorde und das provinzielle Kostüm enthemmt seine Träger/innen. Ein »Volks-Rock´n´Roller« füllt große Arenen mit jungem Publikum, die Bild-Zeitung ehrt sie mit einer kostenlosen Sonderausgabe, die Qualitätsmedien mit Features und Debatten-Serien. Zeitschriften, die das richtige Anlegen von Rosenbeeten lehren, sind der Renner auf dem Medienmarkt.

Grüne plakatieren ihr zur Ehre, Sozialdemokraten melden ältere Besitzansprüche an, und beneiden die Christdemokraten um die Idee mit dem Ministerium. Nazis verkünden, die Liebe zur ihr sei kein Verbrechen, und wer sie nicht liebe, sei aus ihr zu entfernen. Linke kontern knallhart: ihre Liebe zu Region und Gebietskörperschaft sei noch viel tiefer, echter und unverbrüchlicher.

Die staatlichen Programme zur Förderung solcher Gefühle sind satt budgetiert, und je trostloser das Kaff, desto hymnischer hat der Song zu sein, der seinen Liebreiz besingt. Der deutsche Pop folgt diesem Credo, unsubventioniert und in Privatinitiative. Hauptsache es wird gefühlt. Und das heißt immer: Allem zersetzenden Denken und kritischer Reflexion wird die Stirn geboten.

So fühlt man sich schonmal wie ein Baum, also tief verwurzelt und unumtopfbar, weil sonst Psyche und Identität Schaden erlitten. Manche schnuppern auch an Bratwürsten und behaupten, dann spürten sie Heimat. Vor allem rein und unbefleckt soll sie sein, von ihren Männern beschützt und verteidigt.

Im Namen von Idyll, Harmonie, Tradition, Brauchtum, Familie und weiterer Höllen wird gegen die Fremden und das Fremde zu Felde gezogen. Was man bereits ohne Meinungsforschung erkennen konnte, wurde mittlerweile auch empirisch belegt: Je mehr Heimatliebe, desto ausgeprägter die rassistische Gesinnung.

Unbeeindruckt davon, stets dem Konstruktiven verpflichtet, bastelt die Zivilgesellschaft an ,alternativen‘ Heimatbegriffen. Und wo noch ein Restwissen oder eine Ahnung vorhanden ist, über die Geschichte dieses rechten Kampfbegriffs, der oft nur ein anderes Wort für ,Blut und Boden‘ war, zitiert man das letzte Wort aus »Prinzip Hoffnung« des marxistischen Philosophen Ernst Bloch: »Heimat« – und verschafft sich so gutes Gewissen.

Das und vieles mehr – das Absurde und das Gefährliche – wird an diesem Abend auf Bühne und Leinwand besichtigt und vorgeführt, nachgespielt und kommentiert, analysiert und in die Tonne getreten. Stets parteiisch auf der Seite der historischen und zukünftigen Opfer der Heimat.
FRANK SPILKER (Die Sterne) trägt eine brauchtumsfremde Komposition bei – sein Song möge Heimatfeinde in Bewegung und Heimatfreunde zum Erstarren bringen.

Thomas Ebermann ist Autor, Publizist und Dramaturg, hat jahrelang (gemeinsam mit Rainer Trampert) satirische Lesungen veranstaltet und über 50 literarische Stoffe zu szenischen Lesungen bearbeitet, zuletzt das Stück „Q“ von Luther Blissett. Autor und Regisseur des Bühnenstücks „Der Firmenhymnenhandel“ und Co-Autor von „Der eindimensionale Mensch wird 50“. Für seine Arbeiten wurde Thomas Ebermann im Jahr 2012 vom Auschwitz-Komitee mit dem Hans-Frankenthal-Preis ausgezeichnet. Zuletzt bestritt er einen Abend im Deutschen Schauspielhaus Hamburg unter dem Titel „Thomas Ebermann beleidigt Helmut Schmidt“, bei dem es gar nicht um Helmut Schmidt ging.

Thorsten Mense ist freiberuflicher Soziologe, Journalist, Autor und Filmvorführer. 2016 erschien von ihm das Buch „Kritik des Nationalismus“ (Schmetterling Verlag). Er ist Mitglied im Forum für kritische Rechtsextremismusforschung (FKR) in Leipzig, schreibt viel, publiziert und hält Vorträge und Workshops zu den Übeln dieser Welt (Deutschland, Neue Rechte, Nationalismus, usw.). Irgendwann bekam er einmal den Alternativen Medienpreis verliehen. Er hat keine Ahnung von Theater.

Wer das für Nestbeschmutzung hält, versteht uns richtig.

Ein Anti-Heimatabend von und mit
Thomas Ebermann und Thorsten Mense
Künstlerische Mitarbeit:
Florian Thamer und Peter Bremme

Gemeinsam Präsentieren diesen wunderschönen Anti-Heimat-Abend der Kultopf, der Jugendclub Bureau und der Punk e.V.

Audiomitschnitt: Schön, dass uns die Arbeit ausgeht

Ein Plädoyer für massive Arbeitszeitverkürzung – Veranstaltung mit Lothar Galow-Bergemann

Wenn ältere Leute davon erzählen, dass es einmal so etwas wie Vollbeschäftigung gab und die Aussicht, sich durch Arbeit lebenslang seinen Unterhalt zu sichern, so klingt das wie aus einer fernen, längst vergangenen Zeit. Opas Welt kehrt in der Tat nicht wieder. Seit langem schmelzen sichere Arbeitsplätze wie Schnee an der Sonne und in den kommenden 20 Jahren wird jeder zweite Job in Europa und den USA verschwinden, weil künstliche Intelligenz und Roboter das viel besser und billiger können. Aber warum macht uns das eigentlich Angst? Es wäre doch Freude angesagt. Schließlich träumen Menschen seit Jahrtausenden davon, ihr Leben mit Angenehmerem verbringen zu können als ausgerechnet mit Arbeit. Doch nur den wenigsten war es vergönnt, dem Zwang zu lebenslanger Schufterei zu entfliehen. Das Schöne ist, dass das heute alle könnten. Denn Technologie und Wissenschaft ermöglichen uns, mit immer weniger Arbeit immer mehr Reichtum zu schaffen. Doch ausgerechnet jetzt sollen wir immer länger arbeiten. Gehören wir zu den nicht mehr ganz Jungen, bekommen wir – vielleicht – einmal mit 67 oder 70 eine Rente, die immer weniger ausreichen wird. Gehören wir zu den ganz Jungen, so ahnen wir, dass wir nie eine sehen werden.

Der einzige Grund, warum wir Angst haben müssen vor dem Verschwinden der Arbeit: Die Wirtschaft, von der wir abhängen, ist verrückt organisiert. Massive Arbeitszeitverkürzung für alle ist das Gebot der Stunde. Nach Jahrzehnten weitgehenden Stillstands kommt erfreulicherweise wieder etwas Bewegung in die gewerkschaftliche Arbeitszeitdebatte. Doch selbst die 30-Stundenwoche wäre keine adäquate Antwort auf die Herausforderungen. In scharfem Gegensatz zum herrschenden Diskurs muss der Kampf um Arbeitszeitverkürzung in völlig neuer Dimension gedacht und in eine breite gesellschaftliche Bewegung transformiert werden. Voraussetzung dafür ist jedoch der Ausbruch aus einem Gedankengefängnis: Das Hamsterrad des „Arbeiten-gehen-müssen-um-Geld-zu-verdienen-weil-wir-sonst-nicht-leben-können“ garantiert uns keine gute Zukunft.


Lothar Galow-Bergemann war freigestellter Personalrat in zwei Großkliniken, heute schreibt er u.a. für Konkret, Jungle World und auf www.emafrie.de.

Aufgezeichnet am Mittwoch, 16.01.2019 in der Buchhandlung Volkert